Niederländische Projekte - Radio Dabanga und Radio Tamazuj vor der Einstellung?

Radio Dabanga
© Free Press Unlimited

Aus den Niederlanden kommen spezielle Hörfunksendungen für den Sudan und den zwischenzeitlich herausgelösten Südsudan. Mittlerweile scheint ihnen jedoch die Abschaltung wegen Geldmangel zu drohen. Seit dem vergangenen Sommer wurden die Sendezeiten in mehreren Schritten immer weiter reduziert.

Nach Angaben des British DX Club sind inzwischen noch eine Stunde bei Radio Dabanga und 30 Minuten bei Radio Tamazuj übrig; dies grundsätzlich beschränkt auf jeweils eine Frequenz.

Konkret soll Radio Dabanga jetzt noch von 17.00 bis 18.00 Uhr aus Frankreich auf 15550 kHz kommen. Für Radio Tamazuj vorgesehen sein sollen zwei aus Madagaskar abgestrahlte Sendungen von jeweils 15 Minuten; um 4.30 Uhr auf 11650 kHz und um 16.00 Uhr auf 15550 kHz.

Damit entfiel auch die Mitnutzung der Sender von Radio Vatikan, anscheinend als generelles Ende von dessen Zusammenarbeit mit den Betreibern der früheren Station von Radio Nederland Wereldomroep in Madagaskar. Radio Vatikan verbleiben für Ausstrahlungen nach Afrika wohl nur noch die eigenen Anlagen bei Rom.

Sofern es über die kommenden Wochen hinaus bei diesem Sendevolumen bleibt, ergeben sich mit dem Beginn der Sommerzeit am 30. März aus mitteleuropäischer Sicht jeweils eine Stunde spätere Zeiten. Dabei ist mit einem Umzug der Ausstrahlung auch von Radio Dabanga nach Madagaskar zu rechnen.

Stand vom 09.03.2025



Archivtext von 2023:

Ursprünglich zielte das 2008 gegründete Radio Dabanga auf Darfur. Später weitete es seine Aktivitäten auf das ganze Land aus und berichtet heute auch in englischer Sprache über die Katastrophe im Sudan.

Schon zu Zeiten von Omar al-Baschir machte Radio Dabanga sich viele Feinde, die es nicht bei Rhetorik beließen. 2015 sorgte die Baschir-Regierung für das Ende der Weiterverbreitung durch Arabsat.

In den letzten Jahren seiner schier endlosen (ab 1989) Regentschaft war es Baschir noch gelungen, zum geschätzten Partner zu avancieren. Radio Dabanga bekam das 2017 durch eine Kürzung seiner Finanzierung zu spüren. Möglicherweise überlebte das Projekt [schon seinerzeit] nur durch den Sturz von Baschir, der die Geldquellen wieder lebhafter sprudeln ließ.

Die Berichte von Radio Dabanga über den Putsch von 2019 vermittelten von vornherein Skepsis. Nichts geändert hat sich an den Sicherheitsbedenken, wegen denen Radio Dabanga nicht offenlegt, von wo genau aus es aktiv ist.

Die Ausstrahlungen auf Kurzwelle organisiert das, was von der Technikabteilung des einstigen Radio Nederland Wereldomroep bis heute geblieben ist. Nach einer Erweiterung der Sendezeiten sieht das im Winterhalbjahr 2023/24 so aus (in Klammern der jeweilige Sendestandort):

05.30-06.00 Uhr: 7315 (R. Vatikan), 11650 (Madagaskar)
17.00-18.00 Uhr: 15550 (R. Vatikan), 17555 (Frankreich)
18.00-18.30 Uhr: 11640 (R. Vatikan), 11650 (dto.), 15550 (Frankr.)
18.30-19.00 Uhr: 11640 (Madag.), 11650 (Madag.), 15550 (Frankr.)

Radio Tamazuj

Mit der Sezession des Südsudan wurde 2012 aus Radio Dabanga noch ein Radio Tamazuj herausgelöst und machte sich ebenfalls schnell unbeliebt: Seit 2017 ist dessen Internetpräsenz im Südsudan gesperrt.

Im Winterhalbjahr 2023/24 hat[te] Radio Tamazuj dieses Sendeschema:

04.00-05.30 Uhr: 7315 (R. Vatikan), 11650 (Madagaskar)
15.30-16.00 Uhr: 15550 (R. Vatikan), 21485 (Frankreich)
16.00-17.00 Uhr: 15150 (Madag.), 15550 (Madag.) 21485 (Frankr.)

Letzte Nieuwsline-Sendung von RNW
10. Mai 2012: Ende des Programms von RNW | © Nieuwsline-Redaktion

Mit Radio Nederland Wereldomroep selbst ist es seit 2012 vorbei. Es wurde zwar nicht formell geschlossen, jedoch in eine massiv verkleinerte NGO umgewandelt, deren Medienprodukte ausdrücklich keinen Journalismus mehr betreiben.

Radio Nederland Wereldomroep
Funkhaus von RNW im Jahre 2008 | © Nazawri, CC-BY-SA

„Das neue RNW“ brauchte nur noch das kleine Gebäude der hauseigenen Journalistenschule. Das eigentliche Funkhaus nutzt nach einem umfangreichen, einer Entkernung zumindest nahegekommenen Umbau seit 2014 die Rundfunkgesellschaft AVROTROS.

2021 wurde auch das Nebengebäude geräumt. Die NGO brach damit die letzten Brücken zur Vergangenheit ab und wechselte nach Haarlem.

RNW-Sender Bonaire
Foto des RNW-Senders Bonaire vom 10. Geburtstag im Jahre 1979
Abbruch des RNW-Senders Bonaire
2013: Das Ende

Die Einstellung der Hörfunksendungen von RNW bedeutete unweigerlich das „Aus“ für dessen Sendestation auf der Antilleninsel Bonaire. Sie verschwand 2013 von der Bildfläche. Noch brauchbare Teile, insbesondere die erst 2007 neu installierten Sender, wurden zur Einlagerung nach Madagaskar abtransportiert.

Sender Meyerton
Kurzwellensender Meyerton bei Johannesburg

Die dortige Kurzwellenstation von RNW blieb erhalten, da für Afrika in der überschaubaren Zukunft weiter mit Möglichkeiten zum Absatz von Sendezeit gerechnet werden konnte.

2019 verbesserten sich die Aussichten dafür sogar noch: Der Sendernetzbetreiber von Südafrika nahm eine Kürzungsrunde der BBC zur Veranlassung, seine Kurzwellenstation bei Johannesburg zu schließen.

Sender Talata Volonondry
Die Sendestation Talata Volonondry

Heute operiert die Sendestation in Talata Volonondry bei Antananarivo als Firma MGLOB. Nicht mehr im Einsatz sind dabei die ursprünglichen Sender von 1971. An deren Stelle traten Geräte aus der Station Hörby.

Dort hatte der Kurzwellenbetrieb mit der Schließung des Auslandsdienstes von Sveriges Radio im Jahre 2010 sein Ende gefunden. Die beliebten deutschen Sendungen von Radio Schweden entfielen schon 2008, da der Redaktionsleiter wegen der fehlenden Zukunftsperspektive gekündigt hatte.


Ergänzung vom 9. März 2025:

Obwohl die Angaben nur sehr beschränkte Zeit gelten, sei an dieser Stelle dokumentiert, welche weiteren Ausstrahlungen es in Talata Volonondry bis zur turnusmäßigen Umstellung des Betriebsablaufs am 30. März noch gibt, nachdem anscheinend auch die Sendungen von Erisat aus Los Angeles entfallen sind:

BBC
Mo-Fr 05.00-05.30 Uhr: 15420 kHz; Somalia
Sa 06.00-07.00 Uhr: 17750 kHz; Burundi
So 06.29-07.00 Uhr: 17750 kHz; Burundi
07.00-08.00 Uhr: 15490 kHz; Englisch
13.00-13.30 Uhr: 21660 kHz; Französ.
So 17.00-18.00 Uhr: 9465 kHz; Somalia
Mo-Fr 17.30-18.00 Uhr: 15685 kHz; Burundi
19.00-19.30 Uhr: 13790 kHz; Französ.

Radio France Internationale
05.30-06.00 Uhr: 15215 kHz; Suaheli
06.30-07.00 Uhr: 15215 kHz; Suaheli

Voice of America
18.00-19.00 Uhr: 11735 kHz; Simbabwe
Mo-Fr 19.00-20.00 Uhr: 11735 kHz; Simb.

Trans World Radio
15.00-15.30 Uhr: 17700 kHz; Indien
15.30-16.00 Uhr: 15440 kHz; Pakistan

Adventist World Radio
04.00-05.00 Uhr: 6065 kHz; Madagaskar
15.00-16.00 Uhr: 6065 kHz; Madagaskar

 

Beitrag von Kai Ludwig