Katholischer Sender in den USA - EWTN repariert Kurzwellentechnik noch einmal

Eternal Word Television Network
EWTN: Eine Kurzwellen-Vorhangantenne und die Gründerin des Senders

Das katholische EWTN in den USA repariert seine im vergangenen Frühsommer ausgefallenen Kurzwellensender tatsächlich noch einmal.

Erstes Lebenszeichen war ein stummer Träger auf 15610 kHz, der seit 2019 einzigen Kurzwelle, die noch für das englische Radioprogramm verblieben ist.

Auf Nachfrage bestätigte EWTN, seine Kurzwellenanlage gerade wieder in Betrieb zu nehmen und bereits das beobachtete Signal abgestrahlt zu haben. Die Reaktivierung soll auch das spanische Programm auf 12050 kHz einschließen.

Informationen von Glenn Hauser; Stand vom 02.02.2025


EWTN ist das Kind der Klarisse Angelica, bürgerlich Rita Rizzo (1944–2016), die 1962 im Bundesstaat Alabama ein neues Kloster gründete und 1971 mit Bibelstunden ihre öffentlichen Auftritte begann. 1978 brachte ihr der Besuch bei einem Fernsehsender in Chicago die Idee, dieses Medium zu nutzen. Aus ersten Zulieferungen wurde 1981 das eigene Satelliten- und Kabelprogramm.

Mit einer Spende von 23 Millionen Dollar ermöglichte der niederländische Milliardär Piet Derksen († 1996) den Einstieg auch in den internationalen Hörfunk auf Kurzwelle. Aufgebaut und 1992 in Betrieb genommen wurden vier Sender mit einer Nennleistung von jeweils 500 kW, dazu acht Vorhangantennen.

Die Anlage erhielt die Kennung WEWN und fand ihren Platz bei der Ortschaft Vandiver, knapp 20 Kilometer entfernt von der EWTN-Zentrale. Diese befindet sich ihrerseits in Irondale, einem östlichen Vorort von Birmingham, der größten Stadt von Alabama. Die Sender werden zwar jährlich gesegnet, aber schon länger nur noch auf Verschleiß gefahren.

In der Phase des größten Ausbaus sendete EWTN auf Kurzwelle in 26 Sprachen. Dazu gehörte von Anfang an auch Deutsch, was mit teils extremen Sendeplätzen (so 1993 erst um Mitternacht) und bestenfalls mäßiger Empfangsqualität allerdings ein aussichtsloses Unterfangen war.

Deshalb wechselten die Bemühungen um das deutschsprachige Europa bereits ab 2000 vom Kurzwellenhörfunk ins Fernsehen. Das entwickelte sich 2011 zu einer Niederlassung in Deutschland, deren Programm seit 2016 mit einer nordrhein-westfälischen Lizenz sendet.

1993 begann Rizzo damit, sich offen gegen liberale Kräfte in der katholischen Kirche zu stellen.

Als erster Schachzug gelang es ihr, den US-Bischöfen den Betrieb eines eigenen Fernsehprogramms auszureden. Als diese sich nach der Schließung ihres CTNA bei EWTN einbringen wollten, beschied ihnen Rizzo kühl, der Sender gehöre ihr.

Für die seitdem eingeschlagene Richtung fanden nicht etwa kirchenferne Kreise, sondern eine katholische Stimme klare Worte: EWTN sei mittlerweile „das Fox News unter den Religionssendern“.

2019 pushte EWTN auf globaler Ebene die kirchenpolitisch reaktionären, von Realitätsverlust zeugenden Positionierungen zweier deutscher Protagonisten: Des früheren Papstes und des Kardinals Müller.

Zum katholischen Weltjugendtag 2023 mit „zahlreichen Gruppen, Personen und Botschaften, bei denen die Bezeichnung ‚konservativ‘ geschmeichelt wäre“ gab es die Beobachtung, ihnen hätte sich das deutsche EWTN-Programm „sehr intensiv“ gewidmet. Auch dieser Kanal wird von Irondale kontrolliert.

Vom heutigen Papst und dessen Umfeld wird EWTN nicht geschätzt. Dazu gibt es neben sachlich gehaltenen Stellungnahmen ein knalliges Zitat:

„Die sind ein Werk des Teufels. Das habe ich einigen von denen auch schon gesagt.“

Was 1995 beim Fernsehen gelang, sollte 2022 noch auf den Bereich Nachrichtenagentur ausgedehnt werden. Diesmal waren es die Bischöfe der USA selbst, die den Catholic News Service, das „Gegenstück“ zur deutschen KNA, schließen und auch dieses Feld EWTN überlassen wollten. Überraschend kam es aber doch zu einer Weiterführung.

 

Beitrag von Kai Ludwig