Plattenkritik - "In The Blue Light" von Kelela

Die amerikanische Sängerin Kelela ist eigentlich im Modern R&B und elektronischen Clubsound zuhause. Ihre ersten beiden Alben waren sehr erfolgreich und ihre Tracks sind bestens für Club-Remixe geeignet. 2023 erschien ihr zweites Album "Raven" und jetzt überrascht Kelela mit einem ungewöhnlichen Livealbum. Auf "In The Blue Light" sind Aufnahmen zu hören, die in dem kleinen Club "Blue Note" in New York City mitgeschnitten wurden, wo sie im Mai 2024 ein paar intime Konzerte spielte.
Kelela zeigte dort eine neue Facette ihres Könnens. Sie hat die Songs ihrer beiden Alben komplett neu arrangiert und trat mit kleiner Besetzung auf. Mittels Klavier, Kontrabass, Harfe und dank ihrer herausragenden Stimme gelang es Kelela, das Publikum komplett in ihren Bann zu ziehen. Kelela verehrt die Jazzsängerin Betty Carter und deren achtminütige Version von Carters "Love Notes" ist eines der Highlights dieses Albums. Auch den Joni Mitchell Song "Furry Sings The Blues" interpretiert sie hervorragend.
Am meisten überrascht aber, dass die neuen Arrangements ihrer eigenen Stücke wie "Take Me Apart" oder "Better" jetzt wie Jazz-Standards klingen. Kelelas Gesang ist warm und voller Seele und die herausragende Band im Rücken bietet ihr den perfekten Rahmen, um zu zeigen, welch großartige Sängerin sie ist. Der Titel des Albums ist Programm.
Momentan gibt es "In The Blue Light" nur digital, aber am Record Store Day (12. April) wird eine Vinylausgabe erscheinen.
Carsten Wehrhoff, radioeins ("Passion")